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Kinder sind unsere Zukunft – aber gleichzeitig auch die kleinsten und schwächsten Glieder der globalen Gesellschaft. WeltKinderLachen versteht sich in Kooperation mit dem Seraphischen Liebeswerk als die Interessenvertretung unserer Kinder. [mehr…]
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17.07.2007

Alois Reitberger erhält Bundesverdienstkreuz am Bande als Würdigung seines Lebenswerks, insbesondere für seine Innovationen in der Landwirtschaft

Am morgigen Freitag erhält Alois Reitberger, Gründer der Stiftung WeltKinderLachen und ehemaliger Landwirtschaftsmeister des Franziskushauses in Altötting das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Damit hat sein jahrzehntelanger und vorbildlicher Einsatz für die bayerische Landwirtschaft, insbesondere für die Etablierung bäuerlicher Erzeuger- und Vermarktungsgemeinschaften die verdiente öffentliche Anerkennung gefunden. Die Auszeichnung wird auf seinen eigenen Wunsch hin im kleinen Rahmen im Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten erfolgen. Landwirtschaftsminister Josef Miller hat bereits gratuliert und Alois Reitberger mit Familie zur Überreichung von Orden und Urkunde persönlich nach München eingeladen.

Im Oktober 1964 kam Alois Reitberger vom elterlichen Hof im Bayerischen Wald als Landwirtschaftsmeister in das Franziskushaus nach Altötting und war „für alles zuständig, was grün ist“, wie er selbst sagt. Zu dieser Zeit gab es noch keine Diskussion um globalisierte Lebensmittelproduktion oder Importgetreide. Handwerkliches Können und bäuerliches Fachwissen waren sein Kapital und das der bayerischen Landwirte, das ihnen ein gutes Auskommen sichern konnte. Aber bereits in den Siebzigern und frühen Achtziger Jahren stellten sich neben der Freude über Obst aus Neuseeland, Rindfleisch aus
Südamerika und Bier aus Mexiko doch auch die ersten kritischen Fragen ein: „Warum stehen in den Verkaufsregalen Waren aus fernen Ländern, wenn doch die gleichen auch bei uns in ummittelbarer Nähe angebaut werden?“, erinnert sich Alois Reitberger mit ernster Miene. Heimische, regionale Erzeugnisse mussten in Konkurrenz zu internationalen, anonym produzierten Lebensmitteln treten. Die Qualität dieser Produkte stand dabei zunächst völlig im Hintergrund. Neben der Arbeit in der Landwirtschaft begann Alois Reitberger damals schon, sich erste Gedanken über den Vertrieb und die Vermarktung der selbst angebauten Lebensmittel zu machen.

„Der Bauer steht ganz am Anfang der Produktionskette. Die Qualität des Korns ist der entscheidende Faktor für die weitere Verarbeitung zu Mehl und Backwaren.“ Alois Reitberger versuchte zu dieser Zeit, eine erste landwirtschaftliche Erzeugergemeinschaft im Landkreis zu etablieren. Seiner Meinung nach war nur ein Miteinander vieler Bauern gegen die großen internationalen Lebensmittelkonzerne Erfolg versprechend. Oberstes Ziel sollte die Transparenz des Getreideanbaus sein: der Verbraucher musste klar und eindeutig Herkunft und Weg des Korns nachvollziehen können. Dazu wurde auch eine Mühle gebraucht, die sich besonders um kleine Anlieferungsmengen kümmert und das regionale Produkt nicht mit importiertem Getreide mischt. Und schließlich und endlich sollte dieses Mehl dann auch in den heimischen Bäckereien verarbeitet werden, was ohne Vertrauen der Bäcker in die Qualität der ansässigen Landwirte gar nicht gegangen wäre. Das Mehl durfte und darf weder Güteschwankungen ausgesetzt sein noch irgendwelche Einschränkungen bezüglich der Verarbeitung aufweisen: schließlich gab und gibt es für fast jedes Brot bereits eine Fertigmischung, die der Bäckerzunft weit weniger handwerkliches Geschick abverlangt.

Alois Reitberger war in dieser Suche nach geeigneten Partnern für die regionale Produktion, Verarbeitung und Vermarktung heimischer Getreideerzeugnisse immer die Integrations- und Vertrauensperson. Er konnte auch die staatlichen Institutionen, die für die Landwirtschaft zuständig waren, überzeugen, der Globalisierung und Anonymisierung der Lebensmittelproduktion entgegen zu treten. „Und dass Kühe in Wirklichkeit lila sind und der Hirsch das männliche Reh ist“ haben schon Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre viele Kinder geglaubt!“ ärgert sich Reitberger heute noch. Mit der Gründung der Erzeugergemeinschaft der Rupertilandbauern und deren erster Erfolge mit den nach strengen Qualitätsregeln produzierten Mehlen und Backwaren war der erste Schritt getan. Auch individuelle Fehler des Vertriebspartners vor Ort konnten Alois Reitberger und seine Idee nicht bremsen: im Jahr 2000 gründete er als Nachfolgeorganisation die Erzeugergemeinschaft InnoBa, den Zusammenschluss der bewährten Landwirte rund um Alt- und Neuötting, dem auch die Bruckmayer-Mühle in Altötting angehört. „Andere Leute schreiben ein Buch – mein Lebenswerk ist das Betriebskonzept, das ich für InnoBa geschrieben habe,“ sagt Reitberger.

Dieses Betriebskonzept „Innovativer Bauer“, kurz InnoBa, schafft die Voraussetzungen für eigenverantwortliches und innovatives Handeln der Landwirte. Oberstes Ziel ist es, qualitativ hochwertige regionale Produkte auf den heimischen Markt zu bringen. Im Vordergrund stehen die nachhaltige und ökologisch verträgliche Produktionsweise, der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft und der Erhalt der abwechslungsreichen bayerischen Kulturlandschaft mit ihrem gewachsenen Artenpotential.



„Unser Getreide für unsere Lebensmittel – das ist unser Motto. Und alles nach den höchstmöglichen Qualitätskriterien produziert!“, so Reitberger. Zwischen der Biobauernfraktion mit komplettem Verzicht auf Dünge- und Spritzmittel und der gentechnisch optimierten Landwirtschaft, die völlig durchindustrialisiert auf hochleistungsoptimiertes und schädlingsresistentes Saatgut setzt, ist es schwer, eine regionale Marke zu etablieren. „Aber ich war schon immer ein Mann der Mitte. Beide Extremstandpunkte halte ich nicht für optimal. Früher kannte ein Bauer seine Äcker. Er wusste, wo auf dem Feld man wie viel düngen musste, wo die Schädlingsbelastung hoch ist. Dieses Wissen soll den Bauern auch in der heutigen schnelllebigen Zeit wieder zur Verfügung stehen, “ sagt Alois Reitberger und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „und jetzt gibt’s auch plötzlich ein Wort für dieses alte Wissen: precision farming …“

Bodenproben und satellitengestützte Dünge-, Ernte- und Saatkartierungen helfen, die notwendigen Schritte genau dosiert vorzunehmen. Dann muss man weder auf die Bekämpfung von Schädlingen oder Krankheiten verzichten, die die Qualität des Korns belasten würden, und man braucht auch kein gentechnisch verändertes Saatgut. „Das hätte ich aber so niemals alles allein durchziehen können. Für meine Arbeit war immer wichtig, dass ich viele Helfer, Berater und Freunde gehabt habe – ich bin nur ein kleines Zahnrad in einem großen Uhrwerk, mein Leben ist ein Puzzlespiel vieler Menschen."

Im August 2006 ist das Betriebskonzept InnoBa von Alois Reitberger als Grundstock an die von ihm ins Leben gerufene Stiftung WeltKinderLachen übertragen worden. Ziel der Stiftung ist es, Kindern Freude zu bereiten und sie zum Lachen zu bringen. Dabei sollen vor allem auch Natur- und Umweltbewusstsein sowie ökologisches Denken und Handeln gefördert werden. „Durch diese Übertragung an die Stiftung konnte zum einen der Fortbestand des Betriebskonzepts für die Zukunft gesichert werden und zum anderen werden die Erträge, die die Erzeugergemeinschaft erwirtschaftet, für die Ziele der Stiftung und somit für die Kinder verwendet“, sagt Alois Reitberger und fügt hinzu: „Kinderlachen ist ein Geschenk des Himmels, und dieses Geschenk gilt es zu verbreiten! Mit jedem Produkt von InnoBa und WeltKinderLachen kann man helfen, heimische Arbeitsplätze zu sichern, Transportwege und Umweltbelastung zu reduzieren, unsere jahrhundertealte Kulturlandschaft zu erhalten und: man weiß einfach, was man isst …“

Auch wenn sich Alois Reitberger nicht gerne in den Vordergrund stellt und sich nur als ein kleines Puzzlestück begreift: am Freitag wird er für seine Leistungen geehrt. Leistungen, die der konventionellen Landwirtschaft, der heimischen Region und letztendlich auch den Kindern helfen!

Weitere Infos zur Erzeugergemeinschaft finden Sie unter: www.innoba.net

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