„Lasst doch die gelähmten Muskeln – beschäftigt Euch mit der ganzen Persönlichkeit!“ – wer einmal die konduktive Kindertagesstätte im Josef-Bachmeier-Haus in Teising besucht hat, versteht sofort, was der ungarische Arzt Dr. András Petö mit seinem Hilfsansatz im Sinn hatte. „Therapie und Pädagogik bilden eine Einheit und werden ganzheitlich angewandt,“ sagt Geza Pukkai, der Leiter der Teisinger Tagestätte. Das therapeutische Übungsprogramm wirkt immer wie ein Kinderspiel. Und genau so soll es auch sein. Obwohl es für die Kinder anstrengend und fordernd ist, hilft das begleitende Singen und Spielen, die Therapie an sich zu meistern.
„Und genau hier möchte die Stiftung WeltKinderLachen helfen. Die Handpuppen können im Tagesablauf der Kinder vieles bewirken: sie können loben, streicheln, Aufgaben stellen oder auch mal ein bisschen schimpfen, aber immer steht das Kinderlachen und die dadurch bewirkte Hilfe für die Kinder absolut im Vordergrund,“ ist sich Alois Reitberger, der Gründer der Stiftung sicher. Für die Kinder bilden die Puppen eine willkommene Abwechslung und sind ein weiterer Schritt, leichter und einfacher mit ihrer Behinderung leben zu lernen.
Auch wenn die Methode Petös in Deutschland noch immer um ihre volle Anerkennung kämpfen muss, sprechen die Erfolge und Fortschritte der behandelten Kinder für sich. Vor allem das spielerische Miteinander und die in jeder Sitzung neu entstehende Gruppendynamik sind wichtig für die motorische Weiterentwicklung jedes einzelnen Kindes. Die hohe Motivation der Kinder ist dabei manchmal fast mit Händen zu greifen und einer der Schlüssel zum Erfolg.
Am Mittwoch, den 27. Juni war es dann endlich soweit: die neuen Handpuppen präsentierten sich den Kindern und Besuchern der Petö-Tagesstätte in einem kleinen Theaterstück: Die beiden Pädagogen Monika Hölzl und Johanna Szekér präsentierten den wartenden Kindern und Gästen das Theaterstück „Kasperl als Zauberer“. Auf den typischen Petö-Stühlen Platz genommen hatten Peter von Quadt und H. Unger aus dem Vorstand des Trägervereins „Fortschritt e.V.“, Franz Osl, Gemeinderat und Zweiter Bürgermeister von Teising sowie zahlreiche Freunde und Eltern der Konduktiven Tagesstätte.
Zauberer Hudrimudri war nicht zu Hause, sein Helfer Kasperl versuchte sich sofort als Zauberlehrling und natürlich ging einiges schief. Der hergezauberte Blumenstrauß erscheint als alter Besen, anstatt duftenden Würsten gibt’s glibberige Regenwürmer, die Kiste voll Geld birgt in Wirklichkeit eine schnatternde Gans und als Kasperl das Federvieh wieder verschwinden lassen möchte („liba elsüllyed“ hatte sich Johanna Szekér als ungarische Übersetzung darüber geschrieben), ist Seppl, sein Freund, der von Anfang an skeptisch ob der Zauberfertigkeiten seines Freundes war, plötzlich verschwunden. Da konnte nur noch Zaubermeister Hudrimudri helfen. Kasperl allerdings muss mit einem Vorhängeschloss vor dem Mund vorlieb nehmen … Aber die Kinder zeigen Mitleid mit dem unglücklichen Zaubergehilfen: „Hokuspokus, malus lokus, Abrakadabra, abrakadabratschi, hitschi, hatschi!“, Kasperl befreit sich mit heftigem Niesen von seinem Schloss und die Kinder brechen wieder in schallendes Gelächter aus.
Das Theaterstück war wirklich ein voller Erfolg. „Ich bin mir sicher, WeltKinderLachen hat hier mit den Handpuppen genau den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Kinder waren voll bei der Sache, haben aufmerksam das Theaterstück verfolgt und für eine kurze Zeit ihre Behinderungen in den Hintergrund geschoben,“ sagt Alois Reitberger, dem sein eigenes KinderLachen aus der Vorführung noch immer im Gesicht stand, und: „Die Stiftung WeltKinderLachen wird sich sofort auf Patensuche für weitere Puppen begeben, Zauberer, Kasperl und Seppl brauchen dringend Hilfe!“
Stefan J. König
27. Juni 2007
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