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Kinder sagen DANKE

07.06.2019 - Erfahrungsbericht Therapeutisches Reiten

Wirrwarr im Kopf

Durch die Spende von SmilingFaces, ein Sozialprojekt von Trelleborg Sealing Solutions, kann erneut das von WeltKinderLachen unterstützte Projekt “Pferd & Musik” umgesetzt werden. Die Stiftung fördert mit dem Therapieangebot Kinder und Jugendliche, die seelische Verletzungen, hervorgerufen durch extreme Situationen wie sexueller Missbrauch, körperliche und seelische Misshandlungen, Unfälle oder Katastrophen, erlitten haben.

Durch die Sprache der Pferde und mit dem Ausdruck der Musik können sie ihre seelischen Probleme erkennen und vor allem spüren. Pferde eignen sich dabei besonders gut, denn sie sind in der Lage, anders wie wir Menschen, die Grundangst des Menschen zu spüren. Pferde haben eine 

extreme Wahrnehmung und spüren den kleinsten Anflug an Unstimmigkeiten im Gefühlsleben. Die Kinder und Jugendlichen werden sich ihrer Gefühlswelt bewusst und bekommen so die Gelegenheit, negative Gefühle zu verarbeiten und gewinnen an Erfahrung, die sie im Alltag umsetzen können.

 

Nachfolgend ein Erfahrungsbericht über die Entwicklung von Jonas (Name v.d. Redaktion geändert) nach mehreren Therapiestunden:

 

Therapeutin Eveline Maier baut behutsam die Beziehung zwischen Kind und Pferd auf, Foto: Maier

 

In der ersten Stunde zeigte sich Jonas sehr ängstlich, jedoch kam er mit einer großen Erwartungshaltung und konnte sich so auf die Pferde sehr schnell einlassen. Da ihm die Größe der Pferde suspekt war, wollte er anfangs mit dem Shetty/Pony arbeiten. Jonas lässt sich im Umgang mit Pferden sehr leicht leiten und es gelingt ihm, immer mehr Ruhe in sich zu finden. Er erzählt von sich aus, wie schlimm es für ihn ist, dass er, wie er es beschreibt, immer Wirrwarr im Kopf hat und es ihm dabei auch nicht gut geht. Hochsensibel reagiert Jonas auf äußere Einflüsse. Wenn er neue Aufgaben mit dem Pferd erfüllen soll und ihm das Handling erklärt wird, nimmt er teilweise sogar das Geräusch der Schritte des Pferdes wahr. Als Außenstehenden wird einem in so einem Moment bewusst, welchen Stress er in seinem Kopf erlebt. Zu viele Eindrücke, die er nicht filtern kann, überlagern sein Denken.

 

Ordnung im Kopf

Mittlerweile hat Jonas gelernt, wie er in seinem Kopf etwas Ordnung herstellen kann. Durch Atemübungen auf dem Pferd und vom Boden aus, kann er das Pferd anhalten, ohne Zügel bzw. körperliche Kraft aufzuwenden. Es ist wichtig für ihn zu erfahren, dass er es selbst steuern kann, wie es in seinem Kopf zugeht und welche Gedanken er zulassen kann oder auch nicht. Gleichzeitig lernt er auch, wie sich ein entspannter Körper anfühlt, denn die Pferde halten bei den Atemübungen nur an, wenn er auch gleichzeitig seinen Körper entspannt. Die allgemeine Entspannung im psychischen und physischen Bereich ist für ihn sehr wichtig, da er unter ständigem Druck steht und diesen auch an seine Umwelt abgibt.

 

In der Zwischenzeit hat Jonas schon Umgang mit einem großen Pferd. Auch traut er sich jetzt zu reiten, ohne festgehalten zu werden und zu lenken. Die Pferde reagieren sehr gut auf ihn und lassen erkennen, dass er sich in der Arbeit gut entspannen kann. Nach anfänglichen Schwierigkeiten genießt er jetzt die Stille mit dem Pferd. Jonas ist im Umgang mit Tieren sehr feinfühlig und auch partnerschaftlich. Beim Führen achtet er sehr darauf, dass es dem Pferd gut geht. Auf der sozialen Ebene lernt er ein ruhiges, bestimmtes Verhalten seinen Mitmenschen gegenüber.

 

Ziel der Therapie

Ziel der Therapie ist es, Jonas soweit zu festigen, dass er die Ruhe, die er in seinem Kopf im Umgang mit dem Pferd findet, in seinen Alltag übertragen kann. Vorteil dieser Therapieform ist es, dass er sich nicht beurteilt, und behandelt vorkommt, sondern er sich in seinem Wesen so akzeptiert, und wertvoll findet, wie er ist. Er soll erkennen, dass er von seiner Umwelt nicht als Störenfried gesehen wird und er sich evtl. dadurch selbst verurteilt, nicht gut genug zu sein, oder auch nicht gemocht zu werden. Da die Pferde seine Art nicht verurteilen und ihn durchaus akzeptieren wie er ist, sind sie sehr gute Übungspartner, damit er für sich seinen Weg findet, wieder Ruhe und Ordnung in seinem Kopf herzustellen und gleichzeitig seine Aufmerksamkeit und Impulskontrolle trainieren kann.